PROBLEM: INVERSION

 

Probleme, Konflikte und Krisen sind im seelischen Geschehen nicht Ausnahme sondern die Regel. Im Leben, das wissen wir, kann immer etwas schief laufen: Pläne können daneben gehen und Umstände uns an Grenzen bringen. Manchmal gehen wir zu weit und manchmal nicht weit genug. Widerspenstiges, Unpassendes, Ungewolltes oder Störendes begegnet uns im Alltag ständig. Dass sich Verhältnisse "verkehren" können, ist uns im Alltag allgegenwärtig und selbstverständlich, auch wenn wir manchmal von der Wucht überrascht oder überfordert sein können. Sprichworte im Alltag, Mythen und Märchen erzählen von ihnen: Nach ganz fest, kommt ab (Bindung und Trennung); Wer hoch hinaus will, fällt tief (Oben und Unten); Der Teufel steckt im Detail, scheißt aber auch auf den größten Haufen (Groß und Klein); Irrfahrten bewegen sich zwischen Scrylla und Charybdis, usw.

 

Verkehrungen mögen uns zuweilen "auf die Nerven gehen", "Kopfschmerzen" bereiten, "auf den Magen schlagen",

belasten, ängstigen, frustrieren oder sonst wie Leiden machen. Oft genug spornen sie uns aber auch an und wir haben Spaß am Herumprobieren, Lösungen-austüfteln oder Umwege-gehen. Wir sind stolz und zufrieden, wenn wir sie in funktionierenden Formen "behandelt" bekommen. Während wir mehr oder weniger gut mit den Verkehrungen im Alltag umgehen können, gibt es aber manchmal ganz bestimmte Verkehrungen, die wir für unbehandelbar oder unzumutbar erachten. Sie machen uns besonders Leiden, weil wir sie aus unserem Leben heraushalten wollen. Der Witz jedoch ist, dass sie gerade damit zu einem "ewigen Stachel" unserer Lebensweise werden. Wir merken oft nur, dass es immer wieder "verkehrt" für uns läuft, so als seien wir irgendwie verdammt: Da sind immer wieder ähnliche Probleme und Konsequenzen. Wir geraten, trotz besseren Wissens, immer wieder in ähnliche Sackgassen und Zwickmühlen. Da fällt uns etwas schwer, was anderen ganz leicht von der Hand geht. Wir sind von etwas eingenommen, was anderen keinen Gedanken wert zu sein scheint. "Methoden" die uns sonst hilfreich erscheinen, funktionieren in bestimmten Fällen nicht und doch wollen wir sie unbedingt beibehalten. 

 

Depressionen, Ängste, Zwänge, Essstörungen, psychosomatische Beschwerden, überhaupt jegliche Formen sog. "psychischer Störungen" können Ausdruck ("Symptom") dafür sein, dass wir insgeheim bestimmte Verhältnisse "verkehrt halten" (Inversion), so als suchten wir den Alltag in bestimmte Voraussetzungen und Bedingungen zu zwingen. Das kann uns schon ein Leben lang begleiten oder aber durch Umstände und Ereignisse provoziert sein (Stichwort: Trauma).Dass das so ist, hängt mit einem bestimmten "Bild" zusammen, dass unserem Leben eine Form oder eine Gestalt geben soll (Bildungsprinzip). Welches "Bild" wir aber leben, ist uns in aller Regel nicht bewusst, sowenig wie wir darüber Auskunft geben vermögen, welche Verkehrung wir zu unserer gemacht haben.