FORTITER IN RE SUAVITER IN MODO

 

Fortiter in re suaviter in modo ist ein römisches Sprichwort und heißt wörtlich übersetzt 'Hart in der Sache, sanft in der Form'. Das lässt sich als Prinzip sowohl für die tiefenpsychologische Psychotherapie als auch ihr Ziel nehmen.

  • 'Sanft in der Form' (Suaviter in modo) ist eine Aussage darüber, "wie" es zur Sache geht. Psychologe und Klient folgen gemeinsam den "natürlichen" Entwicklungen des Seelischen. Sie stellen gemeinsam heraus, was alles in den Erinnerungen, Einfällen und Träumen zum Ausdruck kommen will. Sie verfolgen, in welchen Formen, Regeln und Ordnungen sich das Seelischen im Alltag organisiert, gerade an den Stellen, wo es sich "verknäuelt", verspannt und "verkehrt". In der tiefenpsychologischen Behandlung geht es nicht darum, Wissen gegen Wissen zu setzen, Ansichten auszufechten oder Gewohnheiten zu tilgen. Psychologische Behandlung hat mehr mit einer Abenteuerreise gemein, in der, methodisch geleitet, Seelisches ent-wickelt wird.
  • 'Hart in der Sache' (Fortiter in re) stellt indes heraus, dass es in der psychologischen Behandlung in mehrfacher Hinsicht zur Sache geht. Die "Sache", um die es hier geht, ist das Seelische selbst. Seelisches wird in seiner Eigenart und Eigentümlichkeit thematisiert und behandelt. Es wird so genommen wie es ist, ohne etwas hinzuzufügen oder etwas wegzulassen. Dazu bedarf es einer psychologischen Methodik, die mit Entschiedenheit und einer gewissen Disziplin den Behandlungsgang leitet. Jede psychologische Behandlung, will sie wirken, hat immer auch den Charakter von Unbequemlichkeit, Unbill und Widerspenstigkeit, da sie allenthalben mit unseren Selbstverständlichkeiten und liebgewonnen Sehgewohnheiten bricht.
  • Das Sprichwort ist schließlich auch ein Motto für das Ziel der psychologischen Behandlung. Am Ende soll der Klient durch die psychologische Behandlung die Möglichkeit (zurück-) gewinnen, sein Leben gemäß seines eigenen Bildes beweglicher und freier als bisher zu gestalten.